17. Juni 2010

TOP 14 – Fachkräfteprogramm Bildung und Erziehung unverzüglich auf den Weg bringen

TOP 14 – Fachkräfteprogramm Bildung und Erziehung unverzüglich auf den Weg bringen

 

Anrede,

eine alte Volksweisheit sagt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ oder in neue, aus Finnland kommende Erkenntnisse und geschlechtergerecht übersetzt: „Auf den Anfang kommt es an“.

Diese Einsicht hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland durchgesetzt. Aber von der Einsicht bis zur Besserung ist es noch ein weiter Weg. Wir stellen uns die Frage, wie viele internationale Studien noch erhoben und ausgewertet werden müssen, bis klar ist, dass man gegen den aktuellen und den drohenden Mangel an pädagogischen Personal in Kindereinrichtungen und Schulen etwas tun muss.

Da hat die Bundesregierung vor Jahren endlich einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung und Betreuung eingeräumt und Länder und Kommunen tun sich schon schwer damit, den Ausbau der Platzzahlen entsprechend voranzubringen, dass es aber für eine qualitativ hochwertige Betreuung auch gut ausgebildeten Personals bedarf, ist in der Euphorie untergegangen. Zwar wird da etwas nebulös in Bildungsgipfeln von Qualifizierung und Weiterbildung geredet, aber frühkindliche Bildung bedarf hochwertiger und vollwertiger beruflicher Ausbildung.

Allein für das Ausbauziel der Bundesregierung, von dem wir heute schon wissen, dass es nicht reicht, und für den Ersatz älterer Kolleginnen, die heute schon das fünfzigste Lebensjahr überschritten haben und in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen, werden in den nächsten Jahren 130000 zusätzliche Fachkräfte in der Kinderbetreuung benötigt. Etwa die Hälfte davon müsste bereits in zwei Jahren zur Verfügung stehen. Diese Aufgabe zu erfüllen, sind Bund, Länder und in der Folge Kommunen weit entfernt. In meinem Bundesland, Sachsen-Anhalt, in dem es seit zwanzig Jahren einen Rechtanspruch für alle Kinder unter drei Jahren gibt, liegt die Betreuungsquote bei den Jüngsten bei 55 Prozent. Wenn man diese Betreuungszahlen bundesweit hochrechnet, fehlten mehr als doppelt so viele Erzieherinnen und Erzieherim für die Krippenkinder.

Nicht besser wird es in der Schule. Zwar glaubt man heute noch in einigen Bundesländern, dass man, zumindest in der Summe ausreichend, teilweise sogar zu viele Lehrerinnen und Lehrer habe, tatsächlich sind aber heute schon vielerorts nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer da, um den Unterricht zu 100 % abzudecken. Zudem sind mehr als die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen in den Ländern älter als 50 Jahre, werden also in absehbarer Zeit den Schuldienst verlassen. Nach Erhebungen auf Bundesebene werden aber in fast allen Ländern zu wenige Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet, um diesen Bedarf rechtzeitig zu ersetzen. Auch Referendariatsplätze stehen nicht genügend zur Verfügung. Dann können die Länder zwar mehr Stellen für Lehrerinnen und Lehrer in ihren Landeshaushalten einplanen, sie werden sie aber schon die heute vorhandenen nicht mehr besetzen können. Dann wird sich die Personalsituation an den Schulen dramatisch verschärfen und es müssen womöglich Klassen zusammengelegt, Unterricht gekürzt oder aber die Lehrerarbeitszeit muss noch weiter erhöht werden. Das alles sind untaugliche Maßnahmen, wenn die Bildungsqualität verbessert werden soll.

Der Bundesregierung und den Ländern blieben dann nur weitere Hilfsprogramme, wie das der Berufseinstiegsbegleiter, die Qualität schulischer Bildung würde sich weiter verschlechtern und die soziale Schieflage beim Bildungszugang würde weiter zunehmen.

Dies gilt es zu verhindern, sofern das überhaupt noch möglich ist.

Deshalb fordert DIE LINKE, umgehend ein Fachkräfteprogramm „Bildung und Erziehung“ zwischen Bund und Ländern zu vereinbaren, das den zügigen Ausbau der Ausbildung bei Lehrerinnen und Lehrern sowie Erzieherinnen und Erziehern zum Ziel hat. Dabei geht es sowohl um Lehramtsstudienplätze für alle Schularten und für die frühkindliche Bildung, die in einer – nunmehr vierten – Säule des Hochschulpaktes zu vereinbaren wären, wie auch um die vollzeitschulische Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern und natürlich um berufsbegleitende Weiterbildung, die zum Berufsabschluss führt, für alle diejenigen in der Kinderbetreuung Tätigen, die heute noch keinen solchen Abschluss haben. Auch wenn wir perspektivisch für die Arbeit im frühkindlichen Bereich eine Ausbildung auf Hochschulniveau für alle dort Beschäftigten anstreben, muss in einer längeren Übergangszeit noch die tradierte vollzeitschulische Ausbildung an Berufsfachschulen genutzt werden.

Das sind zwar noch nicht alle Aufgaben, die bei der Ausbildung pädagogischen Personals für Kinderbetreuung und Schule anstehen, wenn die Qualität der Bildung verbessert werden soll, aber es sind die dringendsten. Darum beschränken wir uns in unserem Antrag zunächst auf diese. Sie zu ignorieren, in dieser Sache auf die Länder zu verweisen und im Übrigen nach der Devise zu verfahren „Kommt Zeit, kommt Rat“ wäre eine fahrlässige Unterlassung politischen Handelns, die von der jungen Generation bezahlt werden muss.

Das darf nicht hingenommen werden, darum stimmen sie unserem Antrag, nach Beratung in den Ausschüssen zu!