15. April 2015

Keine Trendwende in der Ausbildungspolitik in Sicht. Recht auf Ausbildung muss gesetzlich verankert werden!

PRESSEMITTEILUNG | Der Berufsbildungsbericht für das Jahr 2014 weist erneut einen Rückgang der abgeschlossenen betrieblichen und außerbetrieblichen Ausbildungsverträge für Berufe im dualen System auf. Die Bundesregierung jedoch redet sich die Welt schön, indem sie vermeintlich plausible Erklärungen als Ursachen anführt. Dazu erklärt Rosemarie Hein, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:

„In Deutschland wird immer weniger ausgebildet. 2014 ist das Jahr mit einem traurigen Rekord.
Nur rund 522.000 Jugendliche schlossen 2014 einen Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb oder einer außerbetrieblichen Einrichtung ab, so wenige wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr.

Die Bundesregierung sieht die Ursachen immer noch allein bei Passungsproblemen und dem demografischem Wandel. Dabei ist die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze nicht einmal halb so groß wie die Zahl der erfolglosen Bewerberinnen und Bewerber. Neben den fast 21.000 unversorgten jungen Menschen haben weitere 60.000 sich erfolglos beworben und zunächst andere Bildungsangebote angenommen. Wer da von einem Erfolg reden will, streut sich und der Öffentlichkeit Sand in die Augen. Fakt ist, dass trotz zahlreicher erfolgloser Bewerbungen die Zahl der zur Verfügung stehenden betrieblichen Ausbildungsplätze weiter abgenommen hat.

Wer die duale Ausbildung attraktiver machen will, der muss Sorge dafür tragen, dass ausreichend duale Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Das wird auch die Allianz für Aus- und Weiterbildung, die im Dezember des vergangenen Jahres beschlossen wurde, nicht ändern können. Wir fordern einen Rechtsanspruch auf Ausbildung.

Es bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt, weil in bestimmten Branchen die Ausbildungsqualität stark zu wünschen übrig lässt. Hier sind vor Unternehmen und Wirtschaft in der Pflicht, gute Bedingungen und damit auch eine hohe Attraktivität zu schaffen.
Die Debatte um vermeintlich fehlende Ausbildungsreife muss aufhören. Wer einen Schulabschluss in der Tasche hat, ist ausbildungsreif. Vielmehr müssen sich Betriebe darauf einstellen, dass sie nicht mehr im Zweifel auf Abiturienten zurückgreifen können. Es gibt keinen Grund, jungen Menschen mit einem Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz zu verwehren.

Folge solcher Politik ist auch, dass es nicht gelungen ist den Übergangsbereich weiter deutlich zu verringern. Im Jahr 2014 begann über eine Viertelmillion junger Menschen ein Bildungsprogramm im Übergangsbereich. Drei Viertel davon haben einen vollwertigen Schulabschluss. Die Hälfte einen Hauptschulabschluss und weitere 25% sogar einen Realschulabschluss. Es ist ein Armutszeugnis bundesdeutscher Berufsbildungspolitik, dass sie keinen Ausbildungsplatz finden konnten.

Angesichts dieser Missstände ist geradezu lächerlich, wenn Bundesregierung und Wirtschaft über einen drohenden Fachkräftemangel klagen. Diese Probleme sind nun wirklich hausgemacht. Zudem werden die Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich, die überwiegend nach Landesrecht und vollzeitschulisch ausgebildet werden, bei der Betrachtung beruflicher Ausbildung immer noch nicht erfasst. Dazu gehören alle Pflegeberufe und die Erziehungsberufe, bei denen es bekanntlich einen großen und wachsenden Fachkräftebedarf gibt. Die einseitige Orientierung der Bundespolitik auf die duale Berufsausbildung wird dieser Herausforderung nicht gerecht.

DIE LINKE fordert einen radikalen Wechsel in der Ausbildungspolitik. Wir brauchen ein Recht auf Ausbildung, eine Erhöhung der Ausbildungsqualität und einen komplexen Blick auf alle Wege zu einem erfolgreichen Berufsabschluss. Dazu muss es rechtlich verbindliche Festlegungen geben und Rechtsansprüche festgeschrieben werden. Alles das kann bundesgesetzlich geregelt werden. Appelle, Pakte und Allianzen helfen allein nicht weiter.