KulTour

Im Februar 2011 fand meine erste KulTour durch Magdeburg statt. Meine Mitarbeiter und ich besuchten verschiedene Kultureinrichtungen und freischaffende Künstler_innen in Magdeburg.

Am ersten Tag stand das Puppentheater auf dem Programm. Der  Intendant, Herrn Kempchen, machte uns mit aktuellen Vorhaben und auch mit verschiedenen Problemen in der Arbeit des Puppentheaters vertraut. Nur ein Beispiel: Technischer Fortschritt in der digitalen Medienwelt kann auch zu erheblichen Mehrbelastungen führen. So würde die Umstellung im Bereich der Funkfrequenzen zu bisher ungeplanten Kostenerhöhungen für die Theater, aber auch für andere Kultureinrichtungen führen, weil die bisherige Übertragungstechnik nicht mehr genutzt werden kann – ein Problem, das die Medienpolitiker_innen unserer Fraktion im Blick haben. Hier muss dringend nachgebessert und der Bund an den Kosten beteiligt werden.

Das Puppentheater muss nicht über mangelnden Zuspruch klagen, im Gegenteil. Dennoch wünschen sich die Künstlerinnen und Künstler, dass ihr Repertoire stärker auch von Sekundarschulen und Gymnasien wahrgenommen wird, wo sie doch Angebote für alle Altersgruppen machen. Die vielfältigen Angebote des Puppentheaters werden von den Kindergärten und Grundschulen schon immer  gerne genutzt.  Die Theaterleute wünschen sich auch, dass mehr Familien, die über wenig Einkommen verfügen, ihren Kindern häufiger ein unvergessliches Theatererlebnis ermöglichen können. Eine angemessene Kindergrundsicherung könnte da helfen. Skeptisch bin ich, ob es auch das Bildungspaket der Bundesregierung kann. Zum Abschluss des ersten Tages sahen wir uns die Ausstellung „Alphaville – MD“ im Kunstmuseum an. Eine spannende Kollage aus vergessener Magdeburger Stadtplanung und dem Heute.

Am zweiten Tag besuchten wir Sebastian Noe ein Künstler im Magdeburger Stadtteil Buckau, der sich für seinen Kiez und Magdeburg mit verschiedenen Kulturprojekten engagiert. Er studierte in Magdeburg Industriedesign und schafft aus zufälligen Funden verschiedener Alltagsgegenstände im Kiez phantasievolle skurrile Figuren, die Buckaunauten. Wir diskutierten darüber, wie sich Künstler untereinander besser vernetzen und junge Kreative einbinden können und über Probleme der Förderung. Im Anschluss besuchten wir  weitere Künstler in der Buckauer Klosterbergestraße und sprachen mit ihnen  über ihre Arbeit.

Dann ging es in der Sudenburger Feuerwache weiter. Neben der Information über die vorhandenen Angebote diskutierten wir auch hier über Probleme, auf die uns schon das Puppentheater aufmerksam machte: Die verbesserungsbedürftige Zusammenarbeit mit Magdeburger Schulen im Sekundarbereich. Die Ausweitung der GEMA-Gebühren bereiten der Feuerwache ein zusätzliches Problem. Eine finanzielle Belastung, mit der im Übrigen alle soziokulturellen Einrichtungen zu kämpfen haben. Konzerte sind so kaum noch möglich, selbst für Trommelkurse werden Gebühren verlangt.

Trotz des Engagements der Stadt bei der Sanierung des Gebäudes haben die  Betreiber_innen der Feuerwache, das PAKK e.V., weiteren dringenden Sanierungsbedarf. So müssen die Fenster  dringend erneuert werden, die erheblichen Heizkosten sind sonst kaum noch zu tragen, und eine behindertengerechte Erschließung des Gebäudes steht auch noch aus.

Am dritten Tag  besuchten wir die Stadtteilbibliothek „Reform“. Auch dort gibt es ähnliche Probleme in der Zusammenarbeit mit Magdeburger Schulen wie in den anderen besuchten Kultureinrichtungen. Das sollte wohl einmal Thema in den zuständigen Ausschüssen des Magdeburger Stadtrates werden. Beispielhaft für die Arbeit dieser Bibliothek ist die Leseförderung von Jungen, da diese besonders wenig lesen Dafür wurden thematisch, mit verschiedenen Medien, bepackte Rucksäcke zur Verfügung gestellt. Mit diesem Projekt sollen sie an das Lesen herangeführt werden. Ein besonderes Angebot hat die Stadtteilbibliothek für ältere Einwohner_innen. InZusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur Magdeburg beliefern  Medien-Boten  kostenlos die älteren bzw. in ihrer Mobilität eingeschränkten Stadtteil-Bewohner_innen mit Büchern, Zeitschriften und anderen Medien der Stadtteilbibliothek. Eine feine Sache. Aber viele würden wohl gerne auch selbst in die Bibliothek kommen, wenn, ja wenn die Treppen nicht wären… Auch hier ist noch Handlungsbedarf.

Die KulTour bescherte mir drei spannende Tage, ich konnte viele Ideen und Anregungen auf- und mitnehmen. Zum Schluss steht fest: Auch im nächsten Jahr wird es eine KulTour geben!

Besuch bei Sebastian Noe
Besuch im Puppentheater