15. Oktober 2010

KJH Werder: Alle Bedenken in den Wind geschlagen

Da beschließt der Stadtrat mit Einstimmigkeit am 14. Oktober etwa nachmittags um drei, das Jahr 2011 zum „Jahr der Jugend“ zu erklären und nur vier Stunden später ist das alles nichts mehr wert. Aber da geht es um den Erhalt einer Kinder- und Jugendeinrichtung auf dem Werder in einer herrlichen Villa mit Park, die jedoch sanierungsbedürftig ist. Die soll nach dem Willen der CDU zum Jahresende geschlossen und die Immobilie verkauft werden. Die LINKE forderte in dieser Sache eine Kinderbeteiligung, eine Verpflichtung, die sich der Stadtrat vor Jahren in solchen Fragen aufgegeben hat. Eine richtige Entscheidung, denn Analysen besagen, dass die Beteiligungsrechte von Kindern und Jugendlichen in den Kommunen am wenigsten beachtet werden. Doch die Stadtratsmehrheit aus CDU und SPD ist davon ungerührt:

Weder stimmt die Stadtratsmehrheit einer Kinderbeteiligung zu noch halfen eindringliche Bitten, die Anstrengungen der dort beschäftigten Fachkräfte um die Qualifizierung des Angebots wenigstens zu würdigen und trotz schwieriger Finanzlage den Erhalt der Einrichtung anzustreben, wurden mit Füßen getreten. Auch der halbherzige Auftrag zur Suche nach einem geeigneten Träger bis zum Jahresende, gewissermaßen als Galgenfrist für die Existenz des sozialpädagogischen Angebots auf dem Werder kann diesen Eindruck nicht bessern. Die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung auf dem Werder ist eine von zwei entsprechenden Einrichtungen im ostelbischen Bereich, aber mit einem Einzugsgebiet weit über Ostelbien hinaus. Aber die lukrative Immobilie, immerhin eine stilvolle denkmalgeschützte Villa in einer herrlichen Parkanlage, scheint für einige Stadträtinnen und Stadträte eine größere Rendite zu versprechen, als ein Angebot, das ebenso für Kinder und Jugendliche wie für die ältere Generation Anziehungskraft besitzt. Dass der Villa als Generationenobjekt nun nur noch eine kurze Frist bleibt, ist schade, aber bezeichnend. Dass jedoch selbst der Änderungsantrag, der ein Ersatzangebot forderte, von dieser Stadtratsmehrheit abgelehnt wurde, ist unbegreiflich und macht deutlich, dass es eigentlich nur um die Schließung geht.

Verloren haben in dieser Stadtratssitzung Kinder und Jugendliche, die sich in dieser Einrichtung noch wohl fühlen, verloren hat aber auch ein Stadtteil, der flächenmäßig größte von Magdeburg zudem, in dem sich zwar eine Menge lukrativer Einrichtungen für Großveranstaltungen befinden (Elbauenpark, Messe, Bördelandhalle, Stadion) aber kaum Kinderspielplätze und nur eine einzige Jugendeinrichtung. Offensichtlich kann man mit einfachen und für alle erschwinglichen Angeboten vor Ort nicht so viel Staat machen wie mit teuren Einrichtungen für Großereignisse, die viel Publikum anziehen.  Die Entscheidung ist ein Armutszeugnis für den Stadtrat.